Brandenburg

Das Blitzeis-Baby aus Guben

today27. Januar 2026 338 34 5

Hintergrund
share close

Geboren in der Blitzeisnacht: Ein kleines Wunder in Guben

Ganz zufrieden in eine dicke Decke gekuschelt liegt der kleine Kiran im Arm seiner Mutter Cindy Kunze. Ein zartes Lächeln auf den Lippen, das von Glück und Geborgenheit erzählt – und doch verbirgt sich hinter diesem Bild eine Nacht voller Sorgen, Mut und menschlicher Stärke.

Montagnacht, um 22 Uhr spürte Cindy Kunze, dass es ernst wurde. Ihr Mann rief den Rettungsdienst – und schon bald zeigte sich: Die Straßen rund um Guben waren spiegelglatt, ein Transport in eine weiter entfernte Klinik kaum möglich.

„Bereits bei der Alarmierung zeichnete sich ab, dass wir nur mit großen Schwierigkeiten in eine geeignete Klinik kommen würden. An der Ortausfahrt von Guben kamen wir den Berg nicht hinauf, es war schlicht zu glatt. Unser Fahrer brach den Versuch ab, und damit stand fest, dass wir eine andere Lösung finden mussten“, schildert Dr. Phillipp Humbsch.

„Die Leitstelle informierte uns anschließend, dass weder ein Hubschrauber noch die Feuerwehr zur Verfügung stehen würden, auch Bundeswehr und THW konnten nicht unterstützen. Wir fuhren zurück nach Guben – selbst das war bereits riskant, aber es gab keine Alternative. Wir versuchten noch, eine Hebamme mit Unterstützung der Polizei ins Krankenhaus zu bringen, doch auch das scheiterte. Spätestens da wussten wir, dass uns keine weiteren Optionen mehr blieben. Die Gynäkologen und Kinderärzte gaben uns telefonisch wichtige Hinweise, und wir richteten einen provisorischen Entbindungsplatz ein“, so Humbsch weiter.

Das Gubener Krankenhaus, das inzwischen keine eigene Geburtsstation mehr betreibt, stand dennoch bereit, in der Zentralen Notaufnahme zu helfen. Oberärztin Myroslava Gryskova erinnert sich: „Es war so glatt, dass wir schon Mühe hatten, die werdende Mutter aus dem Rettungswagen in die Notaufnahme zu bringen.“ Glücklicherweise war eine Kinderkrankenschwester im Dienst, und das Team konnte sich fachlich beraten lassen.

Bei der Entbindung zeigte sich noch eine weitere Herausforderung: „Es stellte sich heraus, dass die Nabelschnur um den Hals gelegt war – plötzlich musste alles sehr schnell gehen. Am Ende aber schrie Kiran laut, und das war für uns eine große Erleichterung, denn es zeigte, dass er selbstständig atmete“, berichtet Dr. Humbsch.

Um 02:46 Uhr war das Wunder vollbracht: Kiran erblickte gesund das Licht der Welt. Mit 2.980 Gramm und 49 Zentimetern ist er zwar eine Woche zu früh, doch wohlauf. Für seine Eltern ist er ein strahlender Hoffnungsschimmer, für das Team ein Beweis dafür, dass selbst unter extremen Bedingungen Leben gerettet werden kann.

Kiran – das Blitzeis-Baby aus Guben – trägt nicht nur das Glück der Familie Kunze in sich, sondern auch das stille Engagement eines medizinischen Teams, das in einer Ausnahmesituation entschlossen handelte.

Geschrieben von: MK

Rate it