Brandenburg

DDR-Bürgerrechtler Martin Gutzeit im Alter von 74 Jahren gestorben

today17. September 2026 1809 98

Hintergrund
share close

Mitbegründer der SDP und langjähriger Berliner Stasi-Aufarbeitungsbeauftragter

Der evangelische Theologe und DDR-Bürgerrechtler Martin Gutzeit ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 74 Jahren in einem Berliner Krankenhaus. Das bestätigte sein politischer Weggefährte und Freund, der frühere SPD-Politiker Stephan Hilsberg, am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Gutzeit wurde 1952 in Cottbus geboren und engagierte sich bereits in der DDR gegen die politische Unterdrückung. In den 1980er Jahren arbeitete er zunächst als Vikar in Berlin-Pankow und später als Pfarrer bei Neustrelitz.

Mitbegründer der Sozialdemokratie in der DDR

Eine besondere Rolle spielte Gutzeit während der Friedlichen Revolution 1989. Gemeinsam mit Stephan Hilsberg gehörte er zu den Initiatoren der Sozialdemokratischen Partei in der DDR – der SDP. Die Partei wurde am 7. Oktober 1989 in einem Pfarrhaus im brandenburgischen Schwante nördlich von Berlin gegründet.

Mit der Gründung einer eigenständigen sozialdemokratischen Partei stellte sich die Bürgerrechtsbewegung offen gegen den politischen Führungsanspruch der SED. Gutzeit leistete damit einen wichtigen Beitrag zur politischen Umbruchphase im Herbst 1989.

1990 wurde er für die SPD in die erste frei gewählte Volkskammer der DDR gewählt. Durch die zwischenzeitliche Mandatsregelung gehörte Gutzeit von Oktober bis Dezember 1990 außerdem dem Deutschen Bundestag an.

Jahrzehntelang mit der Aufarbeitung der SED-Diktatur befasst

Nach der deutschen Wiedervereinigung widmete sich Gutzeit insbesondere der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit und der Arbeit der Staatssicherheit. Von 1993 bis 2017 war er Berliner Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen.

In dieser Funktion setzte er sich für die Aufarbeitung des SED-Unrechts und die Interessen von Opfern politischer Verfolgung ein. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt blieb Gutzeit mit der Aufarbeitung der DDR-Geschichte verbunden.

Der Berliner Aufarbeitungsbeauftragte Frank Ebert würdigte Gutzeit als originellen Denker und mutigen Oppositionellen. Mit ihm verliere Berlin einen wichtigen Akteur der Friedlichen Revolution und der Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Auch sein langjähriger Weggefährte Stephan Hilsberg würdigte Gutzeits Rolle bei der Gründung der SDP. Die Idee einer eigenständigen sozialdemokratischen Partei habe der DDR-Opposition einen entscheidenden Impuls gegeben.

Bundesverdienstkreuz für sein Engagement

Für seinen Einsatz wurde Martin Gutzeit mehrfach ausgezeichnet. 1995 erhielt er gemeinsam mit weiteren DDR-Bürgerrechtlern das Bundesverdienstkreuz.

Der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), würdigte Gutzeit 2017 bei dessen Verabschiedung als Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Er hob insbesondere dessen Einsatz für die Aufarbeitung der Stasi-Geschichte und für die Opfer des SED-Staates hervor.

Mit Martin Gutzeit verliert die deutsche Erinnerungskultur einen Zeitzeugen und Mitgestalter der Friedlichen Revolution von 1989. Seine politische Arbeit war eng mit der Entstehung der Sozialdemokratie in der DDR und der späteren Aufarbeitung der SED-Diktatur verbunden.

Geschrieben von: MK

Rate it

Ähnliche Beiträge