Kunst, Kultur & Bildung

Frankfurts Konzerthalle wird modernisiert: Sanierung, Kosten und Zeitplan

today23. Dezember 2025 110 7 5

Hintergrund
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Sanierung der Konzerthalle Frankfurt (Oder) – Transparenz, Zeitplan und geplante Maßnahmen

Die Sanierung der Konzerthalle Frankfurt (Oder) steht seit einigen Wochen im Fokus des öffentlichen Interesses. Insbesondere Fragen nach Verzögerungen, Mehrkosten und Verwaltungsvorgängen sorgen für Diskussionen in der Stadt. Oberbürgermeister Axel Strasser (parteilos) stellt dazu klar:

Frankfurts neuer Oberbürgermeister Axel Strasser (parteilos).
© Foto: Jan Schirrholz Frankfurts neuer Oberbürgermeister Axel Strasser (parteilos).

„In der Berichterstattung wird unter anderem die Frage aufgeworfen, ob Fehler in der Verwaltung zu Verzögerungen und erheblichen Mehrkosten geführt haben. Als neuer Oberbürgermeister ist es mir wichtig, diesen Sachverhalt transparent darzustellen, Annahmen von gesicherten Erkenntnissen zu trennen und offen zu benennen, wo es organisatorische Defizite gegeben hat. Die Sanierung der Konzerthalle ist ein komplexes Projekt mit hoher fachlicher und finanzieller Verantwortung. Ziel bleibt es, dieses bedeutende Kulturgebäude zu erhalten, ohne Sachverhalte zu beschönigen, aber auch ohne vorschnelle Schuldzuweisungen. Transparenz und eine saubere Aufarbeitung stehen dabei im Mittelpunkt.“

Konzerthalle Carl Philipp Emanuel Bach Frankfurt (Oder)
© Foto: MUV Konzerthalle Carl Philipp Emanuel Bach Frankfurt (Oder)

Umfang der Sanierung

Die Konzerthalle Frankfurt (Oder) umfasst den denkmalgeschützten Kirchenbau der ehemaligen Franziskanerklosterkirche sowie den angrenzenden Funktionsanbau. Aufgrund begrenzter finanzieller Mittel wurde die Sanierung in zwei Bauabschnitte unterteilt.

Erster Bauabschnitt – Fokus auf Spielbetrieb und Funktionalität

Die Maßnahmen werden in enger Abstimmung mit den Nutzerinnen und Nutzern der Konzerthalle geplant, darunter das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (BSOF), die Singakademie Frankfurt (Oder) sowie die Frankfurter Musikfreunde.

Im Kirchenbau sind vorgesehen:

  • Sanierung des Konzertsaals und Herstellung der Barrierefreiheit
  • Modernisierung von Bühne, Beleuchtung und Bühnentechnik
  • Verbesserung der Akustik, inklusive Akustiksegel, Beschallung und Gehörlosenschleife
  • Erneuerung von Lüftung, Heizung und Elektrik

Im Funktionsanbau werden umgesetzt:

  • Erneuerung und Erweiterung der Sanitäranlagen
  • Teilsanierung technischer Anlagen
  • Barrierefreie Erschließung durch einen Personenaufzug
  • Beginn der Umsetzung des Brandschutzkonzepts

Zeitplan und Durchführungszeitraum

Die Sanierung wird teilweise durch Fördermittel finanziert, die bereits 2023 beantragt wurden. Die Bewilligung erfolgte -laut Rathaus – jedoch erst am 12. September 2025. Aufgrund der rechtlichen Vorgaben konnte ein vorzeitiger Baubeginn nicht erfolgen.

Der erste Bauabschnitt ist nun für rund zwei Jahre bis Juni 2028 geplant. Beginn der Bauarbeiten ist nach dem Umzug des BSOF im Februar 2026. Insgesamt sollen etwa 20 Gewerke europaweit ausgeschrieben und zeitlich gestaffelt umgesetzt werden. Die Kosten des ersten Bauabschnitts belaufen sich auf rund 5,9 Millionen Euro und werden überwiegend aus Fördermitteln sowie aus städtischen Eigenmitteln finanziert.

Kosten für den zweiten Bauabschnitt werden in die künftigen Haushaltsplanungen aufgenommen.

© Foto:

Unterschutzstellung des Funktionsanbaus

Im November 2024 wurde der Funktionsanbau der Konzerthalle unter Denkmalschutz gestellt. Die zuständige Organisationseinheit erhielt hiervon jedoch erst im Juli 2025 Kenntnis. Grund dafür war ein unzureichender interner Informationsfluss innerhalb der Verwaltung, der derzeit aufgearbeitet wird.

In der öffentlichen Diskussion wurde dies teilweise mit Verzögerungen und Mehrkosten in Verbindung gebracht. Oberbürgermeister Strasser stellt jedoch klar:

  • Die Entwurfs- und Genehmigungsplanung muss nicht grundlegend überarbeitet werden.
  • Die verspätete Kenntnisnahme verursacht keine wesentlichen Bauzeitverzögerungen.
  • Zusätzliche Planungskosten sind bislang nicht entstanden.

Die tatsächlichen Verzögerungen resultieren vor allem aus der Dauer der Fördermittelbewilligung, zusätzlichen Brandschutzprüfungen an der Ausweichspielstätte Messehalle 2 sowie Genehmigungsfragen im Zusammenhang mit dieser Ausweichspielstätte.

Mehrkosten – Ursachen und Beispiele

Die Unterschutzstellung des Funktionsanbaus selbst führt zu zusätzlichen Anforderungen und damit zu Mehrkosten, unabhängig vom Zeitpunkt der internen Bekanntgabe.

Absehbare Zusatzkosten:

  • Erstellung eines Raumbuchs sowie bauhistorische und restauratorische Dokumentationen: ca. 30.000–40.000 Euro
  • Weitere Dokumentationsanforderungen während der Bauausführung: ca. 5.000 Euro

Ein konkretes Beispiel: Der Terrazzoboden im Funktionsanbau muss im Zuge der Sanierung fachgerecht gesichert und nach Erneuerung der Grundleitungen wiederhergestellt werden. Die Mehrkosten hierfür liegen nach aktueller Einschätzung im unteren fünfstelligen Bereich.

Bereits von Beginn an wurde die Sanierung denkmalgerecht geplant; die spätere Unterschutzstellung des Funktionsanbaus führt lediglich zu zusätzlichen Anforderungen, ohne die Planung des ersten Bauabschnitts grundsätzlich infrage zu stellen.

Der große Chor der Singakademie in der Konzerthalle Frankfurt (Oder).
© Foto: René Matschowiak Der große Chor der Singakademie in der Konzerthalle Frankfurt (Oder).

Bestehender Klärungsbedarf

Noch offen sind:

  • Abschließende interne Aufarbeitung des verzögerten Informationsflusses und Ableitung organisatorischer Konsequenzen
  • Endgültige Bezifferung sämtlicher denkmalbedingter Mehrkosten nach Abschluss der Ausführungsplanung und weiterer Abstimmungen mit der Denkmalpflege
  • Prüfung weiterer Fördermöglichkeiten

Alle Punkte sollen transparent weiterbearbeitet und öffentlich kommuniziert werden so Oberbürgermeister Strasser.

Die Sanierung der Konzerthalle bleibt ein bedeutendes und komplexes Kulturprojekt für Frankfurt (Oder). Ziel sei es, den Spielbetrieb langfristig zu sichern und gleichzeitig das historische Erbe des Gebäudes zu bewahren. Oberbürgermeister Strasser betont: „Wir arbeiten daran, die Konzerthalle als Herzstück der Musik- und Kulturszene unserer Stadt zukunftsfähig zu erhalten – mit Transparenz, Sorgfalt und Verantwortung.“

Geschrieben von: MK

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