Regionalreport

Kinderpolitik braucht Priorität: Eckardt fordert mehr Mittel für Kinder und Jugendliche in Frankfurt (Oder)

today20. Februar 2026 200 39 5

Hintergrund
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Eckardt mahnt: Mehr Engagement und Mittel für Kinder und Jugendliche in Frankfurt (Oder) erforderlich

Die ehrenamtliche Kinderbeauftragte der Stadt Frankfurt (Oder) Jacqueline Eckardt hat in der 15. Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagnachmittag eine eindringliche Bilanz ihrer Arbeit gezogen. Vor Oberbürgermeister Axel Strasser und den Stadtverordneten würdigte sie einerseits erfolgreiche Projekte für Kinder und Jugendliche, verband dies jedoch mit einem klaren Appell: Die Stadt müsse Kinderpolitik stärker priorisieren und finanziell besser ausstatten.

Große Resonanz bei Aktionen für Kinder

In ihrer Rede zeichnete Eckardt zunächst ein positives Bild vieler Projekte, die im vergangenen Jahr umgesetzt werden konnten. Als Beispiel nannte sie die traditionelle Osteraktion, bei der 1.753 Osternester in der Stadt und ihren Ortsteilen versteckt wurden. Möglich geworden sei dies vor allem durch ehrenamtliches Engagement und die Unterstützung durch Sponsoren.

Auch das generationenübergreifende Seifenkistenrennen hob sie hervor. 72 Teams mit jeweils drei bis fünf Mitgliedern hätten teilgenommen, rund 500 Menschen seien vor Ort gewesen. Solche Veranstaltungen zeigten, wie sehr gemeinsame Erlebnisse das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken könnten und welche Bedeutung niedrigschwellige Angebote für Familien hätten.

Besonders positiv erinnerte sie zudem an die Kinderkonferenz im Rathaus. 146 Kinder hätten dort die Möglichkeit gehabt, ihre Ideen einzubringen und demokratische Prozesse unmittelbar zu erleben. Die Ernsthaftigkeit der Beiträge habe gezeigt, wie differenziert Kinder und Jugendliche ihre Lebensumwelt wahrnehmen.

Deutliche Kritik an fehlenden finanziellen Mitteln

Trotz dieser Erfolge machte Eckardt deutlich, dass ihre Arbeit strukturell an Grenzen stoße. Als ehrenamtliche Kinderbeauftragte verfüge sie über kein eigenes Budget für Projekte. Viele Angebote seien nur möglich, weil engagierte Bürgerinnen und Bürger sowie Vereine einspringen.

Sie forderte die Stadtverordneten daher auf zu prüfen, wie künftig finanzielle Mittel bereitgestellt werden könnten – ausdrücklich nicht für ihre Person, sondern für konkrete Maßnahmen zugunsten von Kindern und Jugendlichen. Auch ein kommunales Beteiligungskonzept mit gesicherten Ressourcen sei aus ihrer Sicht notwendig, um Mitbestimmung verlässlich zu organisieren.

Psychische Belastungen nehmen zu

Einen großen Teil ihrer Rede widmete Eckardt den Herausforderungen, vor denen viele junge Menschen stehen. Der Alltag sei zunehmend geprägt von Leistungsdruck, Unsicherheit und einer Flut an Informationen.

Nach ihrer Darstellung lebten etwa 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen „am Limit“, mit steigenden Zahlen bei Angststörungen und Depressionen. Themen wie Einsamkeit und psychische Belastung würden in der Öffentlichkeit noch zu wenig wahrgenommen, obwohl Fachkräfte und Träger seit Jahren darauf hinwiesen.

Jugendförderung unter Bedarf

Kritisch äußerte sich die Kinderbeauftragte auch zur strukturellen Ausstattung der Kinder- und Jugendarbeit. Der vorliegende Jugendförderplan zeige erneut, dass die Stadt seit Jahren unter dem tatsächlichen Bedarf arbeite. Einsparungen träfen häufig zuerst Angebote für junge Menschen – etwa in der offenen Jugendarbeit oder im Kulturbereich.

Als Beispiel nannte sie Einschränkungen bei kulturellen Bildungsangeboten wie Musikunterricht. Wer hier spare, gefährde langfristig die kulturelle Teilhabe und die Nachwuchsentwicklung, so Eckardt.

Appell an Politik und Verwaltung

Zum Abschluss richtete sie einen grundsätzlichen Appell an die Stadtpolitik. Entscheidungen über Haushaltsmittel wirkten sich unmittelbar auf die Lebensbedingungen von rund 8.500 Kindern und Jugendlichen in Frankfurt (Oder) aus.

Es gehe letztlich um eine Frage der Haltung: Welche Priorität räume die Stadt dem Aufwachsen junger Menschen ein? Eckardt rief die Stadtverordneten dazu auf, den Dialog mit Kindern und Jugendlichen aktiv zu suchen und deren Perspektiven stärker in politische Entscheidungen einzubeziehen.

Mit langanhaltendem Applaus endete die Rede – und mit der klaren Botschaft, dass Kinderpolitik in Frankfurt (Oder) künftig noch stärker in den Fokus rücken sollte.

Geschrieben von: MK

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