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Nach 16 Jahren: Frankfurt (Oder) verabschiedet Jens-Marcel Ullrich in den Ruhestand

today17. September 2026 1717 230 5

Hintergrund
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„Es war schön mit Ihnen und es war mir eine Ehre“ – Jens-Marcel Ullrich sagt nach 16 Jahren als Beigeordneter Danke

Jens-Marcel Ullrich ist nach 16 Jahren als Beigeordneter der Stadt Frankfurt (Oder) offiziell verabschiedet worden. In der Stadtverordnetenversammlung würdigten die Fraktionen, Stadtverordnetenvorsitzende Désirée Schrade (CDU) und Oberbürgermeister Axel Strasser (parteilos) seine langjährige Arbeit. Ullrich selbst blickte in seiner Abschiedsrede auf seine Zeit in der Stadtverwaltung zurück – dankbar, aber auch mit deutlichen Worten zur Zukunft der Stadtverwaltung.

Es war ein besonderer Moment in der Stadtverordnetenversammlung im Frankfurter Rathaus: Nach 16 Jahren im Amt ist Jens-Marcel Ullrich als Beigeordneter der Stadt Frankfurt (Oder) offiziell verabschiedet worden. Ullrich verantwortete zuletzt das Dezernat III mit den Bereichen Jugend, Soziales, Gesundheit, Schulen und Sport sowie weiteren Aufgabenfeldern.

Stadtverordnetenvorsitzende Désirée Schrade (CDU) konnte selbst nicht persönlich im Sitzungssaal sprechen und wandte sich deshalb mit einer Videobotschaft an Ullrich. Sie dankte ihm für seine langjährige Arbeit und insbesondere für seine Offenheit und Bereitschaft, auch schwierige Gespräche zu führen.

Die Stadtverordnetenvorsitzende Désirée Schrade (CDU) dankte per Videobotschaft.
© Foto: Matthias Kayales Die Stadtverordnetenvorsitzende Désirée Schrade (CDU) dankte per Videobotschaft.

Schrade erinnerte zudem an eine persönliche Unterstützung Ullrichs im Sommer 2025. Seine Haltung und sein Mut hätten sie damals besonders beeindruckt, sagte sie. Zum Abschied wünschte sie ihm vor allem Gesundheit und alles Gute für die kommende Zeit.

„Sie haben deutliche Spuren in Frankfurt hinterlassen“

Oberbürgermeister Axel Strasser (parteilos) würdigte Ullrich anschließend ausführlich. Fast ein Jahr habe er mit ihm gemeinsam gearbeitet und ihn dabei als einen Beigeordneten mit klarer Meinung und deutlicher Sprache erlebt.

Gerade diese direkte Art habe immer wieder für Gegenwind gesorgt – auch zwischen ihm und Ullrich. Gleichzeitig bezeichnete Strasser diese Zusammenarbeit als eine Art „Lehrzeit“ und dankte dem scheidenden Beigeordneten ausdrücklich dafür.

Ullrich sei kein Diplomat gewesen, sagte Strasser mit einem Augenzwinkern. Statt theoretischer Debatten habe er einen pragmatischen Ansatz verfolgt: Wo liegt das Problem? Wie lässt es sich lösen? Und wer muss dafür an einen Tisch geholt werden?

Genau diese Herangehensweise habe Ullrich über viele Jahre in die Stadtverwaltung eingebracht.

Oberbürgermeister Axel Strasser dankt Jens-Marcel Ullrich zum Abschied.
© Foto: Matthias Kayales Oberbürgermeister Axel Strasser dankt Jens-Marcel Ullrich zum Abschied.

Strasser verwies auf zahlreiche Projekte und Entwicklungen, die mit Ullrichs Amtszeit verbunden sind. Dazu zählen unter anderem die Gründung des Jobcenters, die neue Schulbezirkssatzung, die Einrichtung des Streetwork-Angebots, der Pflegestützpunkt, die Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepakets, der Behindertenbeirat und das erste kommunale Integrationszentrum.

Auch für Kinder, Jugendliche und den Sport habe sich Ullrich besonders eingesetzt. Strasser nannte unter anderem Kita-Sanierungen, neue beziehungsweise verbesserte Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, das Netzwerk Gesunde Kinder und den Frankfurter Firmenlauf. Auch der Bau des Olympia-Sportzentrums sei in diesem Zusammenhang zu nennen.

Von Flüchtlingskrise bis Corona

Zu Ullrichs Amtszeit gehörten allerdings nicht nur Projekte, sondern auch zahlreiche Krisensituationen.

Strasser erinnerte an die Jahre 2014 und 2015, als Frankfurt (Oder) vor der Herausforderung stand, eine große Zahl von Geflüchteten unterzubringen. Hinzu kamen die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte für Asylbewerber, die Corona-Pandemie mit Test- und Impfzentrum sowie die erneute Flüchtlingsbewegung infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine.

Ullrich sei dabei immer an vorderster Stelle tätig gewesen und habe den Kontakt zu Bürgerinnen und Bürgern gesucht. Auch bei aktuellen Themen wie dem Ärztemangel und der Pflegereform habe er sich eingebracht.

Zuletzt war Ullrich für ein besonders breites Aufgabenspektrum verantwortlich. Neben Jugend, Soziales und Gesundheit gehörten unter anderem Schulen, Sport, Katastrophenschutz und weitere Verwaltungsbereiche zu seinem Dezernat. Seit 2025 kamen zusätzliche Zuständigkeiten hinzu.

Strasser dankte Ullrich deshalb ausdrücklich für seine Ausdauer und seinen Einsatz. Besonders hob er das Verhältnis zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung hervor.

Ullrich sei über viele Jahre nicht nur Dezernent gewesen, sondern zugleich Chef, Kollege, Ansprechpartner, Netzwerker und Krisenmanager – und häufig auch derjenige, dessen Telefon geklingelt habe, wenn andere nicht mehr weiterwussten.

Michael Möckel, CDU-Fraktionsvorsitzender, würdigte Jens-Marcel Ullrich mit persönlichen Abschiedsworten.
© Foto: Matthias Kayales Michael Möckel, CDU-Fraktionsvorsitzender, würdigte Jens-Marcel Ullrich mit persönlichen Abschiedsworten.

Anerkennung auch über Parteigrenzen hinweg

Auch die Fraktionen würdigten den scheidenden Beigeordneten.

CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Möckel erinnerte daran, dass Ullrich und die CDU politisch nicht immer einer Meinung gewesen seien. Die Zusammenarbeit sei keineswegs immer harmonisch gewesen. Trotzdem habe es gegenseitigen Respekt gegeben.

Ullrich habe für seinen Verantwortungsbereich „wie ein Löwe“ gekämpft und vieles für seine Bereiche herausgeholt, sagte Möckel. Genau das gehöre zu den unterschiedlichen Rollen in einer demokratischen Stadtverordnetenversammlung.

Zum Abschied wünschte Möckel Ullrich Gesundheit und Gottes Segen – und überreichte ihm zudem ein kleines Geschenk.

Ehemalige SPD-Partei-Kollegin Katja Wolle zum Abschied von Jens-Marcel Ullrich.
© Foto: Matthias Kayales Ehemalige SPD-Partei-Kollegin Katja Wolle zum Abschied von Jens-Marcel Ullrich.

Auch Katja Wolle (SPD), eine frühere Parteikollegin Ullrichs, richtete persönliche Worte an ihn. Die SPD-Fraktion habe ihn vor vielen Jahren ins Amt gebracht. Zwar sei Ullrich der Fraktion irgendwann „abhandengekommen“, sagte Wolle mit einem Augenzwinkern. Als Freund fühle man sich ihm aber weiterhin verbunden.

Ullrich war viele Jahre Mitglied der SPD. Kurz vor der vergangenen Oberbürgermeisterwahl trat er aus der Partei aus und ist inzwischen parteilos.

Ullrich: „Ich habe keine Rede vorbereitet“

Für seinen eigenen Abschied hatte Jens-Marcel Ullrich keine klassische Rede vorbereitet. Er wolle spontan und „aus dem Bauch“ sprechen, sagte er zu Beginn. Reden abzulesen sei nie seine Stärke gewesen.

Der bevorstehende Ruhestand beschäftige ihn durchaus. Sein letzter Arbeitstag sei der 29. September, der offizielle erste Tag seines Ruhestands der 30. Oktober. Zu Hause habe ihm seine Frau einen Countdown bis zum Ruhestand geschenkt. Ursprünglich habe die Anzeige bei mehr als 220 Tagen gestanden – inzwischen sei nur noch eine 13 zu sehen gewesen.

„Heute ist mir sehr komisch“, räumte Ullrich ein.

Er erinnerte an seinen Weg in das Amt des Beigeordneten. Der damalige Oberbürgermeister Wolfgang Pohl habe ihn einst gefragt, ob er sich vorstellen könne, Beigeordneter zu werden. Die Entscheidung sei für ihn nicht einfach gewesen. Schließlich sei ein Beigeordnetenamt auch ein politischer „Schleudersitz“.

Besonders erinnerte Ullrich an die schwierige Haushaltsdebatte im Jahr 2015. Damals habe er Einsparvorgaben als rechtswidrig bezeichnet. Der Konflikt habe schließlich dazu beigetragen, dass der Haushalt abgelehnt wurde.

Trotz solcher schwierigen Situationen zog Ullrich für sich eine positive Bilanz. Wenn er damals Nein gesagt hätte, hätte er sich womöglich Jahre später gefragt, was gewesen wäre, wenn er das Risiko eingegangen wäre. Diese Frage habe er sich durch die Entscheidung für das Amt selbst beantwortet.

Lebenserfahrung als Grundlage für die Verwaltungsarbeit

Ullrich verwies auch auf seinen beruflichen Weg vor der politischen Tätigkeit. Er habe unter anderem als Geschäftsführer des AWO-Kreisverbandes gearbeitet, war Personalratsvorsitzender und hatte bereits im Berufsleben zahlreiche unterschiedliche Erfahrungen gesammelt.

Seinen Einstieg in die Arbeitswelt verband er zudem mit dem Institut für Halbleiterphysik. Zu DDR-Zeiten habe er außerdem verschiedene Nebenjobs ausgeübt – unter anderem als Taxifahrer, Straßenbahnfahrer und im Speditionsbereich.

Diese unterschiedlichen Erfahrungen hätten ihm später geholfen, soziale Probleme und die Menschen dahinter besser zu verstehen, sagte Ullrich.

Ausdrücklich korrigierte er dabei auch eine Aussage des Oberbürgermeisters: Er sei nicht Geschäftsführer eines AWO-Seniorenheims gewesen, sondern des AWO-Kreisverbandes. Dort seien unter anderem auch Kitas und eine Sozialstation angesiedelt gewesen.

Lob für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Einen großen Teil seiner Abschiedsrede widmete Ullrich den Beschäftigten der Stadtverwaltung.

Ohne die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könne eine Stadtverwaltung ihre Aufgaben nicht bewältigen. Natürlich gebe es schwierige Situationen und auch Strukturen, die verbessert werden könnten. Insgesamt habe er die Verwaltung aber als funktionierend erlebt.

Wenn alle an einem Strang zögen, könne die Stadt vorankommen. Genau darum gehe es: Frankfurt (Oder) im Interesse der Bürgerinnen und Bürger weiterzuentwickeln.

Auch den politischen Mitstreitern dankte Ullrich. Dass man sich in der Politik gelegentlich streite, gehöre dazu. Entscheidend sei für ihn gewesen, dass Konflikte nicht auf die persönliche Ebene übergingen. Wenn man sich nach einer Auseinandersetzung noch in die Augen schauen und gemeinsam ein Bier trinken könne, sei das für ihn in Ordnung.

Deutliche Worte an den Oberbürgermeister

Jens-Marcel Ullrich (parteilos) in seiner letzten Stadtverordnetensitzung.
© Foto: Matthias Kayales Jens-Marcel Ullrich (parteilos) in seiner letzten Stadtverordnetensitzung.

Zum Ende seiner Rede wurde Ullrich noch einmal sehr deutlich. Seine direkte Art habe auch damit zu tun gehabt, dass er seine jeweiligen Vorgesetzten davor bewahren wollte, „gegen die Wand zu laufen“.

Seine Ratschläge könne ein Oberbürgermeister annehmen oder auch nicht. Wenn er sie gegeben habe und der Chef sie trotzdem nicht befolge, könne er damit leben.

Auch an Axel Strasser richtete Ullrich deshalb einen persönlichen Rat. Der Oberbürgermeister habe inzwischen ein außergewöhnlich großes Aufgabenspektrum übernommen. Deshalb müsse er sich möglichst schnell selbst entlasten.

„Kein Kapitän ohne Mannschaft“, fasste Ullrich seine Sicht auf die Verwaltungsarbeit zusammen. Eine funktionierende Verwaltungsspitze brauche ein starkes Team.

Gleichzeitig betonte er, dass sein Telefon auch nach dem Ausscheiden aus dem Amt zur Verfügung stehe. Wenn Strasser einmal einen Rat brauche, könne er sich weiterhin melden.

„Es war schön mit Ihnen und es war mir eine Ehre“

Ganz verschwunden sein wird Ullrich aus Frankfurt (Oder) ohnehin nicht. Er kündigte an, der Stadtgesellschaft verbunden zu bleiben und den Kontakt zu vielen Menschen fortzuführen.

Zunächst wolle er allerdings verreisen und die dunkle Jahreszeit etwas abkürzen. Nach seinem letzten Arbeitstag stehen noch Urlaubstage an – anschließend beginnt endgültig der Ruhestand.

Am Ende seiner Abschiedsrede wurde aus dem politischen Verwaltungsalltag noch einmal ein sehr persönlicher Moment.

„Es war schön mit Ihnen und es war mir eine Ehre“, sagte Ullrich zum Abschluss und bedankte sich bei den Stadtverordneten, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung und allen Wegbegleitern.

Nach 16 Jahren endet damit eine lange Amtszeit, die von politischen Auseinandersetzungen, Krisen, zahlreichen Projekten und einer ausgesprochen direkten Art der Zusammenarbeit geprägt war. Die Stadt Frankfurt (Oder) verabschiedet einen Beigeordneten, der nach den Worten der Redner deutliche Spuren in der Stadtverwaltung und in vielen Bereichen des städtischen Lebens hinterlassen hat.

Geschrieben von: MK

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