© Foto: Antje Bodsch
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Museum Viadrina: Geschichte als Brücke zwischen Frankfurt und Polen 91.7 ODERWELLE
Das Museum Viadrina versteht sich nicht nur als Ort, an dem Frankfurter Stadtgeschichte bewahrt wird. Es will zugleich eine Brücke zwischen Deutschland und Polen schlagen. Das betont Dr. Tim Müller, Leiter des Museums Viadrina, im Sonntagsbrunch der 91.7 ODERWELLE.
Für Müller ist vor allem die Lage des Museums direkt an der deutsch-polnischen Grenze ein besonderer Reiz. Das Haus liege mitten in einer historischen Kulturlandschaft und habe dadurch die Möglichkeit, Kulturarbeit weit über die Grenzen Deutschlands hinaus zu leisten. Kontakte nach Polen und gemeinsame Projekte gehörten deshalb zu einem wichtigen Teil der Museumsarbeit.
Ein aktuelles Beispiel ist das Projekt „900 Jahre Bistum Lebus“. Eine durch die Euroregion finanzierte Wanderausstellung war in diesem Jahr bereits an mehreren Stationen zu sehen. Für Müller zeigt das Thema besonders deutlich, wie eng die deutsche und polnische Geschichte miteinander verbunden sind.

Besonders fasziniert Müller an der Frankfurter Geschichte die Frage nach der Identität der Stadt. Frankfurt sei über Jahrhunderte immer wieder von tiefgreifenden Veränderungen geprägt gewesen – vom Dreißigjährigen Krieg über wirtschaftliche und politische Einschnitte bis zu den Zerstörungen am Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Strukturwandel nach 1990.
Trotz dieser Brüche sieht Müller einen besonderen Charakter der Stadt. Ein Frankfurter Jurist habe Frankfurt einst als „anmutigste Stadt der Mark Brandenburg“ bezeichnet. Dieser Gedanke sei für ihn bis heute Ansporn: Die Stadt müsse sich ihrer eigenen Stärken bewusst sein und daran arbeiten, diese sichtbar zu machen.

Eine Herausforderung sieht der Museumsleiter bei der Vermittlung von Geschichte an Kinder und Jugendliche. Es werde zunehmend schwieriger, Schulklassen für einen klassischen Museumsbesuch zu gewinnen. Gründe seien unter anderem die geringere Bedeutung des Geschichtsunterrichts, der organisatorische Aufwand für Ausflüge sowie der Lehrermangel.
Gleichzeitig gebe es erfolgreiche Alternativen. Besonders Projekttage und Projektwochen würden sich bewähren. Gemeinsam mit Schulen aus Frankfurt habe das Museum gute Erfahrungen damit gemacht, wenn sich Schülerinnen und Schüler über mehrere Tage intensiv mit der Geschichte ihrer Stadt beschäftigen.
Schulen seien deshalb ausdrücklich eingeladen, entsprechende Angebote gemeinsam mit dem Museum zu entwickeln.
Für die Zukunft hat Dr. Tim Müller mehrere Wünsche. Dazu gehören steigende Besucherzahlen und eine Erneuerung der Dauerausstellung. Außerdem müsse die Frage nach einem geeigneten Depot für die umfangreiche Sammlung des Museums gelöst werden.
Das Museum Viadrina verfügt nach Angaben Müllers über mehr als 130.000 Exponate. Damit mache die Sammlung rund fünf Prozent des gesamten Sammlungsgutes im Land Brandenburg aus. Gleichzeitig hat das Museum nach Müllers Worten erhebliche Verluste durch die Ereignisse am Ende des Zweiten Weltkriegs erlitten.
Für die weitere Arbeit setzt Müller deshalb auch auf die Unterstützung der Frankfurter Bevölkerung und des Fördervereins.
Das Museum Viadrina in Frankfurt (Oder) ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.