Henry Hübchen: «Meine Stasi-Akte ist voller Banalitäten»

Der dauerqualmende Stasi Offizier Siemens (Henry Hübchen).

Der Schauspieler Henry Hübchen hat die Staatssicherheit früher nicht nur als Bedrohung wahrgenommen. «In meinem Freundeskreis damals haben wir die Stasi eher verlacht», sagte der 75-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Sie war eben nicht nur ein angstmachendes Organ, zumindest für mich nicht. Für andere war es anders.»

Hübchen war in der DDR einer der profiliertesten Schauspieler. Er arbeitete unter anderem an der Ost-Berliner Volksbühne und spielte in vielen Defa-Filmen mit. Wie viele Künstler in der DDR habe er Erfahrungen mit der Stasi gemacht, sagte Hübchen. «Ich bin mit dem Theater zu Gastspielen viel in den Westen gereist und da war ich natürlich Stasi-überprüft, “Reisekader”, ob ich reisen darf und auch wieder komme. Es gibt eine Stasi-Akte, da stehen nur Allgemeinplätze drin, nichts Wichtiges.»

Später sei entdeckt worden, dass ein Souffleur am Theater Informeller Mitarbeiter der Staatssicherheit gewesen sei. «Der hat dann
Selbstinterpretationen unserer Theaterarbeit geliefert, ob das Bühnenbild subversiv war und was das zu bedeuten hat und so weiter», sagte Hübchen.

«Es ist erschreckend und lustig, das zu lesen. Meine Stasi-Akte ist voller Banalitäten.»

Schauspieler Henry Hübchen

Und er fuhr fort: «Wenn man in den 90er Jahren nach dem Mauerfall die Presse verfolgt hat, hätte man den Eindruck gewinnen können, dass in der DDR 17 Millionen bei der Stasi waren.

Die Deutungshoheit hatten jetzt auf einmal Leute, die vielleicht am Bodensee groß geworden sind.» Inzwischen sei der Blick komplexer geworden. «Wobei die Vereinfacher mit den schnellen falschen Antworten nicht ausgestorben sind».

Hübchen spielt im neuen Film «Leander Haußmanns Stasikomödie» einen Stasi-Führungsoffizier, der einen jungen Mann für eine neue Sondereinheit zur Ausspähung der «negativ-dekadenten Szene» im Berliner Prenzlauer Berg der 1980er Jahre rekrutiert.