Landesbergbauamt: Helenesee bleibt weiter gesperrt

Seit Pfingsten müssen Urlauber und Badelustige auf den Helenesee verzichten. Der ehemalige Tagebau ist wegen Rutschungen gesperrt. Bis zuletzt war die Hoffnung groß, dass Teile des Strandes wieder genutzt werden können. Nun verkündete das Landesbergamt seine Entscheidung

Die Hoffnung vieler Badegäste, der Stadt und des Pächters hat sich zerschlagen: Der Helenesee bleibt aus Sicherheitsgründen weiter gesperrt. Das teilte das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) heute nach Vorlage eines Zwischenberichts mit. Untersuchungen von Sachverständigen hätten ergeben, dass in den bereits gesperrten Uferbereichen Gefahren aufgrund von «Verflüssigungsneigung und Setzungsfließen» bestehen. Die angeordnete Sperrung des Nord- und Westuferbereiches habe deshalb weiter Bestand.

Um 17:30 Uhr wird Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke zu Gast im Studio der ODERWELLE sein und mit uns über die aktuelle Situation des Helenesees sprechen.

Aufzeichnung des Gesprächs mit Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke zur aktuellen Situation des Helenesees

Zunächst hatte noch die Hoffnung bestanden, dass zumindest einzelne Strandabschnitte an dem 250 Hektar großen Gewässer möglicherweise wieder freigegeben werden können. Nachdem im Juni und Juli umfangreiche Erkundungen und Bewertungen der geotechnischen Verhältnisse durchgeführt wurden, haben sich der Behörde zufolge die Gefährdungsannahmen für den gesamten betrachteten Uferbereich bestätigt.

Oberbürgermeister René Wilke zeigt sich gegenüber der Oderwelle entsetzt: «Wir sind sehr erschrocken und werden diesen Zwischenbericht durch unsere Experten mit der Zielsetzung zu prüfen, ob die Einholung einer gutachterlichen zweiten Meinung angezeigt ist». Der Gutachter solle nun auf Wunsch der Stadt im Ausschuss für Stadtentwicklung erscheinen, um alle Informationen in diesem Zusammenhang öffentlich zu machen.

Die Behörde hatte das auch als «kleine Ostsee» überregional beliebte Badegewässer am Freitag vor Pfingsten aus Sicherheitsgründen sperren lassen. Anfang März wurden am Ostufer des touristischen Ausflugsziels massive Rutschungen festgestellt. Da nicht auszuschließen war, dass auch andere Uferbereiche betroffen sind und somit Lebensgefahr für die dort Badenden bestehen könnte, wurden vorsorglich alle insgesamt 1350 Meter langen Strände am Helenesee geschlossen. Sie dürfen seitdem nicht mehr betreten werden.

Bei dem bis zu 60 Meter tiefen Gewässer handelt es sich um das Restloch der früheren Braunkohlengrube «Helene», die von 1943 bis 1958 betrieben worden war. Danach wurde der Tagebau nach Angaben des LBGR als unwirtschaftlich aufgegeben und lief bis etwa 1970 voll Grundwasser. Böschungsabrutschungen und Teilsperrungen hatte es im Laufe der Jahre immer wieder am Helenesee gegeben. Das Südufer wurde bereits 2010 gesperrt.

Durch den niedrigen Wasserstand seien Flächen sichtbar geworden, die beim Betreten Rutschungen auslösen könnten, erläuterte LBGR-Präsident Sebastian Fritze. Vom Strand etwa könne sich ein unterschiedlich großer Kessel ablösen. Selbst als geübter Schwimmer sei man gefährdet. Ein Recherchegutachten soll seinen Angaben zufolge die Verantwortlichkeiten der vergangenen Jahrzehnte und Versäumnisse nachvollziehen. «Das wird ein ganz schön dickes Buch», schätzte Fritze ein.

Der Frankfurter Unternehmer Daniel Grabow, der unter anderem die Helenesee AG und einen Campingplatz betreibt, spricht von einem riesigen finanziellen Verlust. Es gehe um einen nachgewiesenen Schaden von einer Million Euro Umsatzverlust, sagte er gegenüber der Oderwelle. Grabow hat bei der Stadt eine Stundung der Pacht beantragt und bislang nach eigenen Angaben noch keine Antwort erhalten. Zuerst habe ihn die Corona-Pandemie belastet und nun komme die Sperrung des Sees obendrauf. Grabow ist unter anderem Partner des Helene Beach Festivals, er hat auch mehrere andere Formate an der «Helene» entwickelt, die nun nicht mehr stattfinden könnten. «Die Frage ist, wie lange man da jetzt durchhalten muss.»

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