Bildungsministerin Britta Ernst, Ehefrau des künftigen Kanzlers wird keine typische “First Lady”

Potsdam ist die neue Heimatstadt des Ehepaars Britta Ernst und Olaf Scholz: Denn von dort aus können die brandenburgische Bildungsministerin und der wohl künftige Bundeskanzler den politischen Tätigkeit nachgehen. Von Klaus Peters und Caroline Bock

Als Kanzlergatte von Angela Merkel hat sich Joachim Sauer 16 Jahre lang betont im Hintergrund gehalten und Britta Ernst will es als Ehefrau des voraussichtlich neuen Bundeskanzlers Olaf Scholz offensichtlich genauso halten: Die Bildungsministerin von Brandenburg hat sich nie zu den Ambitionen ihres Mannes auf das Kanzleramt geäußert. Auch Fragen zu ihrem Privatleben blockt sie stets höflich, aber bestimmt ab. Die 60-Jährige will so verhindern, dass ihre Tätigkeit als Landesministerin in irgendeine Verbindung mit der politisch herausgehobenen Stellung ihres Mannes gebracht wird.

In den sozialen Netzwerken zeigt sie hin und wieder, dass sie gern ihre neue Heimatstadt Potsdam und Umgebung erkundet, zu Fuß und mit dem Rad. Dann postet die Sozialdemokratin Landschafts- und Naturfotos, etwa einen Spaziergang an einem grauen November-Sonntag im Park Babelsberg und am Griebnitzsee. Oder auch gelegentliche Besuche in der Elbphilharmonie in Hamburg, wo bis 2018 die gemeinsame Heimat des Ehepaars war.

Die gebürtige Hamburgerin kam 2017 überraschend als Ministerin für Bildung, Jugend und Sport nach Brandenburg, nachdem sich ihr Vorgänger Günter Baaske aus privaten Gründen zurückgezogen hatte. Zuvor war sie von 2014 an Bildungsministerin in Schleswig-Holstein, bis sie nach der Landtagswahl 2017 aus dem Kabinett ausschied, weil ihr Ressort in der Regierung von Daniel Günther (CDU) an die Christdemokraten fiel.

Privat gab es für das kinderlose Ehepaar Ernst und Scholz dann ab dem Frühjahr 2018 in Potsdam eine neue Basis, als Scholz vom Amt als Erster Bürgermeister in Hamburg als Bundesfinanzminister nach Berlin wechselte. Das Ehepaar zog in der brandenburgischen Landeshauptstadt zunächst in die gediegene Berliner Vorstadt und dann an den im Renaissance-Stil wieder errichteten Alten Markt, in direkter Nachbarschaft zum Museum Barberini und dem Landtagsschloss.

Scholz hatte in der Gesprächsreihe «Brigitte live» mal einen Einblick in sein Gefühlsleben gegeben: «Ich glaube, dass ich ein ganz anderer Mensch wäre, wenn ich nicht mit Britta Ernst verheiratet wäre.» Seine Frau sei es auch gewesen, die ihn irgendwann sanft zum Abnehmen und damit zum Joggen gedrängt habe. Auf seiner Homepage schreibt er, seine Frau bedeute für ihn «alles». Und im «Spiegel» sagte er: «Das Wichtigste im Leben ist die Liebe.»

Norddeutsch zurückhaltend, pragmatisch und unaufgeregt, so zeigt sich Ernst als Bildungsministerin von Brandenburg und aktuelle Präsidentin der Kultusministerkonferenz. Dabei hat sie als Bildungsministerin in der Corona-Pandemie häufig einen schweren Stand bei der Opposition im Landtag und den Verbänden, die ihr immer wieder Missmanagement bei den Maßnahmen im Kampf gegen das Infektionsgeschehen an den Schulen vorwerfen. Ernst sagt nichts zu Rücktrittsforderungen wie zuletzt am Montag vom Landeselternrat – sondern wiederholt nur unermüdlich die aktuell getroffenen Maßnahmen an den Schulen wie Corona-Tests und Tragen von Masken.

Wenn sie auf die neue Rolle ihres Mannes angesprochen wird, wird sie sehr schmallippig. Denn als Ministerin will sie nicht mit ihrem Ehemann in Verbindung gebracht werden. Möglicherweise hängt dies damit zusammen, dass sie sich 2011 nach Amtsantritt ihres Mannes als Erster Bürgermeister aus der Hamburger Bürgerschaft zurückziehen musste, der sie seit 1997 angehörte. «In keinem Bereich ist es richtig, dass Veränderungen bei einem Partner mit einem Verzicht des anderen begleitet werden», schrieb sie damals.

«Das Wichtigste im Leben ist die Liebe.»

Olaf Scholz

Und auch Scholz reagierte im Bundestagswahlkampf empört, wenn er gefragt wurde, ob seine Frau im Falle seines Wahlsieges weiter arbeiten würde. Seine Frau sei eine großartige Politikerin, sagte er etwa in der Gesprächsreihe «Brigitte live». Und bei anderer Gelegenheit nannte er die Frage, die aus seiner Sicht dem Mann einer Kanzlerin nicht gestellt werde, «völlig aus der Zeit gefallen».