Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD)

Die Corona-Lage in Brandenburg spitzt sich zu. Erstmals hat mit Elbe-Elster ein Landkreis die Marke von 1000 überschritten. Regierungschef Woidke hält die Bund-Länder-Beschlüsse für richtig und sagt, worauf es ihm besonders ankommt.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hält die von Bund und Ländern vereinbarten Corona-Maßnahmen für sehr gut und lässt schärfere Maßnahmen im Land offen. «Am Ende geht es hier um Menschenleben und da können wir weitere Maßnahmen momentan noch nicht ausschließen», sagte Woidke am Donnerstag.

«Wir schauen ständig auf die Situation gerade bei uns im Gesundheitswesen. Sie ist im Süden des Landes – das kann man ohne Übertreibung sagen – heute schon in Teilen dramatisch.»

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke

In Brandenburg können wegen der drastisch steigenden Corona-Infektionszahlen nach Angaben des Gesundheitsministeriums nicht mehr alle Kontaktpersonen von Infizierten nachverfolgt werden. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg im Landkreis Elbe-Elster erstmals über die Marke von 1000 auf knapp 1120.

Das Ministerium empfahl den Landkreisen und kreisfreien Städten, stärker Prioritäten bei der Kontaktverfolgung und der Quarantäne-Überwachung zu setzen. «Die derzeitige diffuse Infektionslage ist sehr ernst und besorgniserregend», sagte Gesundheitsstaatssekretär Michael Ranft.

165 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr seien zum Einsatz in Kommunen, etwa bei der Kontaktverfolgung.

Woidke wertete am Abend die vorangegangenen Bund-Länder-Vereinbarungen über Corona-Maßnahmen positiv. «Der wichtigste Punkt ist, dass wir beim Impfen schneller vorankommen müssen.» Bei einem sogenannten Impfgipfel, zu dem er am Freitag einlädt, wolle er nach eigenen Worten mit Landräten und Oberbürgermeistern darüber reden, «wie wir das Impfen hier in Brandenburg noch einmal deutlich beschleunigen können».

Unter den Bundesländern mit den verhältnismäßig meisten Infektionen liegt Brandenburg an vierter Stelle hinter Sachsen, Bayern und Thüringen. In den vergangen sieben Tagen wurden 465,9 Infektionen je 100 000 Einwohner gemeldet, wie aus Zahlen des Robert Koch Instituts hervorgeht. Vor einer Woche waren es 285,7. Besonders der Süden des Landes ist betroffen. Während der Wert im Landkreis Elbe-Elster bei 1119,8 lag, betrug er in Märkisch-Oderland im Nordosten des Landes dagegen nur 242,9.

Elbe-Elster-Landrat Christian Heinrich-Jaschinski forderte angesichts der Rekord-Inzidenz mehr Hilfe für die Krankenhäuser in Südbrandenburg. «Noch ist die Lage beherrschbar, aber die Lage ist sehr angespannt», sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. «Ich fordere seitens des Landkreises, seitens unserer Krankenhäuser hier im Süden des Landes Brandenburg eine schnellstmögliche operative Übernahme der Verteilung der Krankenhausbetten beziehungsweise der Corona-Fälle im Land Brandenburg.» Die Patienten müssten gleichmäßig verteilt werden. Das Problem sei, dass Fachkräfte fehlten.